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Lüftung von Wohnungen- Die neue DIN 1946 Teil 6

 

Seit Mai 2009 ist der Weißdruck der DIN 12946 Teil 6 veröffentlicht. Mit diesem überarbeiteten Regelwerk haben sich neue Regeln für Planer und ausführende Handwerksbetriebe ergeben.

 

Die Norm legt allgemein die Anforderungen an die Planung, Ausführung und Inbetriebnahme, den Betrieb und die Instandhaltung für Lüftungssysteme fest und ist von zentraler Bedeutung für die Wohnungslüftung. Sie ist als geltende Regel in der VOB/C DIN 18379 Raumlufttechnische Anlagen ausdrücklich erwähnt.

Hintergrund für die Überarbeitung dieses technischen Regelwerks stellte neben der Harmonisierung des Europäischen Technischen Regelwerks auch die Anpassung an die technischen Entwicklungen der Lüftungstechnik dar.

Die Notwendigkeit lüftungstechnischer Maßnahmen ist aber nicht neu. Spätestens seit der Einführung der ersten Energieeinsparverordnung im Februar 2002 mußten sich Planer und Ausführende Gedanken über die Sicherstellung des Mindestluftwechsels bei immer besser gedämmten und dichteren Gebäuden machen. Die EnEV fordert grundsätzlich für alle neu zu errichtenden Gebäude eine luftdichte Bauweise nach den anerkannten Regeln der Technik. Gleichzeitig muß aber auch ein ausreichender Mindestluftwechsel sichergestellt werden.

Darüber hinaus stellt auch die DIN 4108 Teil 2, welche über der Liste der technischen Baubestimmung, bauaufsichtlich eingeführt ist, sinngemäß dieselben Anforderungen.

Diese Problematik des möglicherweise nicht mehr ausreichenden Luftwechsels ergibt sich nicht nur im Bereich des Neubaus, sondern in verstärktem Ausmaß auch bei der Sanierung von Wohngebäuden. Gemäß der neuen DIN 1946 Teil 6 ist eine Instandsetzung / Modernisierung eines bestehenden Gebäudes immer dann lüftungstechnisch relevant, wenn ausgehend von einem für den Gebäudebestand anzusetzenden n50-Wert von 4,5 hg-1 (Kenngröße für die Dichtheit eines Gebäudes)

 

⇒ Im MFH mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht werden und

⇒ Im EFH mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht bzw. mehr als 1/3 der Dachfläche abgedichtet werden.

 

Dies bedeutet, daß in diesen Fällen bzw. immer wenn die Gebäudehülle entsprechend luftdicht ausgeführt wird, lüftungstechnische Maßnahmen notwendig werden.

 

Um diese Notwendigkeit feststellen zu können, muß nach DIN 1946 Teil 6 ein Lüftungskonzept für das Gebäude erstellt werden. Dabei gilt es zu prüfen, ob der Luftvolumenstrom durch Infiltration den notwendigen Luftvolumenstrom zum Feuchteschutz erreicht bzw. übersteigt.

 

Folglich werden lüftungstechnische Maßnahmen immer dann erforderlich, wenn der notwendige Luftvolumenstrom zum Feuchteschutz größer ist, als der Luftvolumenstrom durch Infiltration (= einströmende Außenluft durch bautechnische Restundichtigkeiten des Gebäudes).

 

In der DIN 1946 Teil 6 heißt es dazu:

Das Lüftungskonzept umfasst die Feststellung der Notwendigkeit von lüftungstechnischen Maßnahmen und die Auswahl des Lüftungssystems. Dabei sind bauphysikalische, lüftungs- und gebäudetechnische sowie auch hygienische Gesichtspunkte zu beachten. Ein Lüftungskonzept sollte unter Beachtung der lüftungstechnischen Situation der gesamten Nutzungseinheit erstellt werden, weil jede lüftungstechnische Maßnahme in einer Nutzungseinheit immer auch Auswirkungen auf alle anderen Räume der Nutzungseinheit hat. Das gilt auch, wenn nur einzelne, z.B. fensterlose Räume, mit einem ventilatorgestützen Lüftungssystem gelüftet werden sollen. Die Luftdichtheit bzw. Luftdurchlässigkeit der Hüllkonstruktion der gesamten Nutzungseinheit ist zu beachten".

 

Werden nun lüftungstechnische Maßnahmen erforderlich, bleibt die Auswahl des Lüftungssystems selbstverständlich dem Planer bzw. Bauherrn überlassen. Grundsätzlich ist aber zu beachten, daß die Lüftung zum Feuchteschutz „nutzerunabhängig" sichergestellt werden muß. Dies bedeutet, daß die klassische Fensterlüftung an dieser Stelle nicht herangezogen werden darf. Diese Art der Lüftung kann zukünftig lüftungstechnische Maßnahmen nach DIN 1946 Teil 6 nicht mehr ersetzen, sondern lediglich unterstützen.

 

Weiter heißt es in der DIN 1946 Teil 6:

„Mit manueller Fensterlüftung kann die Lüftungs-Wirksamkeit von freien Lüftungssystemen jederzeit unterstützt werden. Sie ist aber nur bei Anwesenheit der Nutzer möglich und notwendig. Für die Auslegung der lüftungstechnischen Maßnahmen wird der Außenluftvolumenstrom durch Fensterlüftung nicht berücksichtigt."

 

Jedem Fachbetrieb wird empfohlen, seine Auftraggeber über die Relevanz lüftungstechnischer Maßnahmen aufzuklären, um sich haftungsrechtlich abzusichern. Dafür gibt es vom Fachverband die „Anlage zum Bauvertrag" welche auf der Homepage des Fachverbands SHK Bayern unter www.haustechnikbayern.de/Technik/Gewerkeübergreifende Bereiche im internen Bereich heruntergeladen werden kann.

 

Neben diesen zentralen Themen sind etliche weitere Punkte in der Norm aufgenommen worden. Dies sind beispielsweise Dimensionierungskriterien des Luftleitungsnetzes (Luftgeschwindigkeiten), Hinweise für die Ausführung z.B. Dämmanforderungen des Luftleitungsnetzes, Dokumentation und Kennzeichnung, Inbetriebnahme und Übergabe sowie der Instandhaltung.

Das 125-seitige Regelwerk kann über den Beuth Verlag bezogen werden.

 

 

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